NPD darf das HLG in Landshut nicht mißbrauchen

Das Hans-Leinberger-Gymnasium in Landshut hat zur Zeit schwerwiegende Probleme: die NPD-Jugend hat sich die Schule, die seit drei Jahren die Auszeichnung „Schule mit Courage – eine Schule ohne Rassismus“ trägt, als Tagungsort für einen Kongress ausgesucht. Die Schule will das natürlich nicht und wehrt sich mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln. Zum Beispiel fand am 16. Dezember eine Kundgebung von Schülern (darunter auch meine Tochter), Lehrern und Eltern, sowie dem Kultusminister Spaenle gegen die NPD-Veranstaltung statt. Die öffentliche Meinung interessiert die NPD aber nicht - sonst hätte sie sich längst selbst aufgelöst, deshalb versucht die Partei gerade auf juristischem Wege den Kongress durchzusetzen.

In einem Eilentscheid des Verwaltungsgerichts Regensburg hat die NPD eine erste Niederlage einstecken müssen: da die NPD rechtsextrem und verfassungsfeindlich ist, wäre es nicht mit dem Bildungsauftrag vereinbar, die Schule zu zwingen, die Tagung zu dulden. Auch das Argument der Nazis, dass die Grüne Jugend die Mensa nutzen dürfte, half da nichts: die Grünen stehen halt eindeutig auf dem Boden der Verfassung.

Leider ist noch Beschwerde gegen das Urteil möglich, sodass noch nicht alles gewonnen ist. Trotzdem schonmal mein herzlicher Glückwunsch zu diesem Etappensieg an alle, die mithelfen, die NPD aus Landshut herauszuhalten! Vielen Dank und weiter so!

Der Hobbit - Trailer ist da

Der Herr der Ringe ist ein großartiges Buch, und auch der Vorgänger, der Hobbit ist sehr gut lesbar, auch wenn man ihm besonders anfangs das Kinderbuch, das er werden sollte, schon anmerkt.Eigentlich nahm ich immer an, dass man so ein Buch nicht verfilmen könnte, aber Peter Jackson hat das mit "Der Herr der Ringe" congenial geschafft, und auch seine Änderungen (z.B. das Weglassen von Tom Bombadil) nehme ich ihm nicht übel.

Jetzt ist der Trailer zu "Der Hobbit" erschienen der 2012 und 2013 in die Kinos kommen soll. Was soll ich sagen: der Trailer macht Lust auf ein Wiedersehen mit Gandalf, Bilbo und Co.

Dass Peter Jackson den 3D-Hype mitmacht ist allerdings schade: ich finde die Brillen nervig und die Effekte sind den Aufpreis nicht wert, aber was soll es: ich werde mir den Film auf jeden Fall ansehen.

Viel Spass mit dem Trailer:

Homöopathie ... zu Ende gedacht

Ein toller Film, den ich bei Youtube gefunden habe.... viel Spass!

#Bitcoins - zu Risiken und Nebenwirkungen....

Bitcoins sind cool. Anonym, fälschungssicher, inflationsgeschützt, frei von staatlicher Einflußnahme.... außerdem passt noch eine ganze Ansammlung von Buzzwords zum Thema: skalierbar, verteilt, peer-to-peer, krypto, .... klingt toll, oder? Klar: technisch ist das Ganze sehr cool und auch sehr spannend. Über die Vorteile der Währung ist auch schon sehr viel geschrieben worden. Ich will in diesem Post auf die Risiken und Probleme von Bitcoins eingehen.

Frei von staatlicher Kontrolle

Dieses Problem nenne ich zuerst, nicht, weil es das aus meiner Sicht Schwerwiegendste wäre, sondern weil es häufig angesprochen wird und weil es die Begründung für das Bestehen juristischer Probleme (siehe unten) ist. Bitcoins sind anonym, Zahlungsströme lassen sich damit nicht nachvollziehen, was offensichtlich staatlichen Kontrollbemühungen zuwider läuft. Ob Steuerhinterziehung, Geldwäsche oder das Umgehen von Embargos: mit Bitcoins ist das alles kein Problem mehr. Für mich ist dieses Problem zwar real und nachvollziehbar, aber doch auch das unwichtigste.

Zum einen natürlich, weil ich mehr als nur ein bisschen Bauchschmerzen mit der zunehmenden Entwicklung unseres Staats zu einem Überwachungsstaat habe und deshalb jede Möglichkeit, ein Gegengewicht zu schaffen, positiv bewerte. Zum anderen ist das Problem der mangelnden Überwachbarkeit kein Neues: das gute alte Bargeld ist davon genauso betroffen - nicht umsonst sagten schon die alten Römer "Pecunia non olet" - Geld stinkt nicht.

Juristische Probleme

Zuallererst: ich bin kein Jurist und meine Einschätzung kann gut völliger Quatsch sein. Über entsprechende Hinweise freue ich mich. Im Arabischen Raum, Asien und Afrika gibt es ein Zahlungsystem namens Hawala. Vereinfacht funktioniert das so, dass ich mit 100€ zum Hawaladar (A) meines Vertrauens gehe (z.B. ein Juwelier hier ums Eck), dem gebe ich mein Geld und sage, dass das an meinen Freund in Syrien gehen soll. A ruft einen bekannten Hawaladar (B) vor Ort an, der das Geld (abzüglich einer kleinen Gebühr) dann an meinen Freund auszahlt. Die beiden Hawaladare verrechnen das dann untereinander mit späteren Transaktionen oder auch mit Warenlieferungen. Das System stammt zwar aus dem Mittelalter, hat aber mit Bitcoins die Aspekte: "billig", "schnell" und "keine staatliche Überwachung" gemeinsam.

Billige und schnelle Überweisungen sind keine Problem, aber der Staat will aus oben genannten Gründen nicht auf die Überwachungsmöglichkeiten verzichten. Deshalb wurden bereits Hunderte von Strafverfahren gegen Hawaladare geführt. Wer in Deutschland gewerbsmäßig Zahlungsdienste anbieten will, braucht eine Genehmigung der BaFin. Ansonsten drohen drakonische Strafen nach §31 des "Gesetzes über die Beaufsichtigung von Zahlungsdiensten":

(1) Wer [...] 2. ohne Erlaubnis nach § 8 Abs. 1 Satz 1 Zahlungsdienste erbringt, [...] wird [...] in den Fällen der Nummern 1, 2 und 2a mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe bestraft. [...]

Aus meiner Sicht erbringt jeder, der einen Block signiert, Zahlungsdienstleistungen, da ohne diese Signatur, die enthaltenen Transaktionen nicht durchgeführt worden wären. Das Minen im Pool scheint relativ risikoarm: im Gesetz steht nicht, dass bereits der Versuch strafbar sei; Probleme sollten sich also nur für die ergeben, die tatsächlich einen Block finden. Wie die Situation für die Poolbetreiber aussieht, ist mir noch nicht ganz klar: im Block tritt ja der Poolbetreiber als Zahlungsdienstleister auf, und tatsächlich fordert die Poolsoftware ja die Miner zum unterschreiben auf. Ob das für eine Anstiftung ausreicht, weiß ich aber nicht.

Deflation

Die Anzahl der Bitcoins, die jemals existieren werden, ist bei knapp 21 Millionen begrenzt (und das wird erst 2140 passieren). Bisher existieren ca. 6,5 Mio BTC, 50 BTC kommen alle 10 Minuten dazu, wobei diese Generierungsrate später immer weiter reduziert wird. Das heißt, dass Bitcoins dann wertvoller werden, wenn die auf Bitcoins basierende Wirtschaft schneller wächst, als mit der Generierungsgeschwindigkeit. Beim gegenwärtigen Kurs von ca. 10€/BTC darf die Bitcoinwirtschaft nur mit maximal 72000€ am Tag wachsen. Im Moment ist das recht viel (zu viel: der Kurs fällt seit ein paar Wochen), aber wenn Bitcoins wirklich globale Bedeutung erlangen, dann sind die 72000€ schnell erreicht und überschritten. Das Problem mit Deflation ist dann, dass Leute, die Bitcoins haben, diese tendenziell eher behalten wollen, weil sie ja absehbar im Wert steigen, anstelle sie auszugeben. Wenn aber kein Geld ausgegeben wird, sondern nur gehortet, dann führt das unweigerlich zum Erliegen einer auf Bitcoins basierenden Wirtschaft. Die feste Rate der Gelderzeugung verhindert auch, dass konjunkturpolitische Maßnahmen ergriffen werden können, um den Markt zu stabilisieren. Alles in allem wirkt eine Bitcoin-Wirtschaft - sollte sie den aktuellen Liebhaberei-Status verlieren - sehr instabil.

Fazit

Neben den unbestrittenen Vorteilen von Bitcoins gibt es auch einige Nachteile, die bisher meiner Meinung nach noch nicht ausreichend diskutiert wurden. Ich halte das Bitcoin-System nicht für per se schlecht oder zum scheitern verurteilt, aber ich bin doch skeptisch, ob dieser fraglos interessante technische Ansatz sich auf breiter Basis durchsetzen wird (und auch, ob das überhaupt wünschenswert wäre). Was meint ihr? Bin ich nur ein Schwarzseher? Seht ihr andere Probleme? Habt ihr Lösungen? Über Kommentare freue ich mich!

Dystopische(?) Kunst

Ich habe gerade bei deviantart ein - wie ich meine - tolles Bild gefunden:
Worth enough? by *radoxist on deviantART

Was mich daran beeindruckt hat, ist, dass es nicht nur eine Hochglanz-Science Fiction-Welt zeigt oder nur eine heruntergekommene Zivilisation, sondern den Gegensatz zwischen Arm und Reich und die sich immer weiter öffnende Schere konsequent weiterdenkt. Aber, wenn man das Bild genauer ansieht, dann merkt man, dass zwar das technologische Niveau zwischen den Armen im Vordergrund und den Reichen im Bildhintergrund sehr unterschiedlich ist, dass aber das "arme" Dorf nicht unglücklich wirkt, sondern eher idyllisch.

Ich bin mir relativ sicher, dass der Künstler sein Bild anders interpretiert haben möchte, schließlich nennt er es auch "Worth enough?", aber mir ist egal, was der Künstler wollte, ich will nur erzählen, was ich mir dabei gedacht habe ;-).

Mir gefällt an dem Bild, dass es dem Betrachter die Möglichkeit lässt, zu entscheiden, wo er sein möchte und die Seite, die im ersten Augenblick nach Verliererseite aussieht, vielleicht doch nicht so schlecht ist, sondern sogar mehr Zufriedenheit bieten könnte, als die hochtechnologisierte und sterile High-Tech-Welt.

Keine Sorge - ich fang jetzt nicht an, von der "guten, alten Zeit" zu faseln. Ich glaube vielmehr, dass eine gewisse Naturverbundenheit und Einfachheit kein Gegensatz zum modernen, urbanen Lebensstil sein muss, sondern sich die beiden scheinbaren Gegensätze sehr gut ergänzen.

So und jetzt hoffe ich, dass ich mir nächstes Jahr wieder Bienen zulegen kann, denn ich liebe es, nach einem Tag am Computer abends neben dem Bienenstock zu sitzen und den Bienen zuzusehen...

NERF Maverick Paintjob

EUR 15,29

Zu Ostern habe ich meinen Töchtern und mir jeweils eine Nerf Maverick geschenkt. Diese Nerfguns machen ziemlich viel Spass (auch wenn meine vierjährige Tochter noch knapp zu schwach ist, um ihre Nerfgun selbst zu spannen), aber was mich immer gestört hat, ist das Aussehen. Klar ist das Spielzeug, aber muss man das sofort sehen? ;-) Ich habe mich also an meinen ersten Nerfgun-Paintjob gewagt: Zuerst habe ich die Pistole komplett zerlegt und die sichtbaren Teile dann mit einem 120er Sandpapier abgeschmirgelt, zum einen, damit der Lack später besser haftet, aber auch um die Copyrighthinweise und "Nicht in die Augen schiessen blablabla" zu entfernen. Anschließend habe ich die Teile von außen mit mattem, schwarzem Lack aus der Spraydose grundiert.

Um den "Gunmetal-Look" zu erzeugen habe ich dann silberne Acrylfarbe (mit Metalliceffekt) mit einem Borstenpinsel aufgetragen. Der Trick ist, nur sehr wenig Farbe aufzunehmen und den Pinsel vor dem bemalen der Nerfgun an einem Stück Pappe soweit abzustreifen, dass der Pinsel fast gar keine Farbe mehr abgibt. Dann kann man die Farbe in langen Pinselstrichen auftragen. Das führt dann dazu, dass die silberne Farbe hauptsächlich an den Erhebungen hängen bleibt, was der Waffe den angestrebten Used-Look verleiht.

Die Nerf Maverick nach dem Bemalen

Die Nerf Maverick nach dem Bemalen

Bisher habe ich noch nicht klar drüber lackiert, sollte sich die Farbe zu schnell abreiben würde ich dass noch mit mattem Klarlack tun.

Das Ergebnis ist nicht ganz so gleichmäßig geworden, wie ich mir das gewünscht hätte, aber für den ersten Versuch bin ich ganz zufrieden...

Jetzt warte ich also noch auf ein Endzeit, Shadowrun oder Cyberpunk-LARP in meiner Nähe.

Endlich: PR 1

Ich weiss ja, dass ich viel zu selten und unregelmäßig blogge, aber dennoch habe ich endlich einen (wenn auch kleinen) Erfolg zu vermelden: mein Blog ist mittlerweile auf Google Pagerank 1 upgegraded worden. Mal sehen, ob das noch Traffic bringt, die SEO-Spezialisten da draussen gehen ja davon aus, dass der Pagerank nur noch eine untergeordnete Bedeutung hat...

#google+ schon jetzt an Kapazitätsgrenzen?

Im Moment schlägt google+, der Facebook-Klon von Google ja einigermaßen hohe Wellen. Und wie immer wollte ich natürlich wissen, was da dran ist. Leider kann man sich nicht einfach so anmelden, sondern man braucht eine Einladung von einem, der schon bei google+ mitmacht. Diese Einladung habe ich gerade bekommen und wollte mich beim nächsten Social Network anmelden, aber leider sagt mir Google:

Sie haben bereits eine Einladung bekommen? Zurzeit sind unsere Kapazitäten ausgelastet. Bitte versuchen Sie es in Kürze noch einmal.

Eigentlich hatte ich von Google erwartet, dass die sich mit Seiten, die viel Beachtung erfahren gut auskennen sollten. Oder ist Google tatsächlich bei Social Media soweit hinterher, dass sie nicht einschätzen können, wie schnell so etwas auch mit einem Einladungssystem wachsen kann?

Naja, ich werde es morgen nochmal versuchen, vielleicht klappt es ja dann!

Edit: Neuer Versuch mit neuer "Einladung" - neues Glück: jetzt bin ich angemeldet.

Email Einladungen funktionieren zur Zeit nicht, das kann man aber umgehen, indem man die Leute, die man einladen möchte in einen seiner Kreise packt, und dann irgendwas mit diesem Kreis teilt. Google+ fragt dann nach, ob die, die bisher keine Mitglieder sind, per E-Mail eingeladen werden sollen. Wenn man das erlaubt, dann können die Freunde sich über den Beitrag bei google+ anmelden. Bei mir hat das bei der ersten Einladung nicht geklappt, warum ist mir nicht ganz klar. Beim zweiten mal hat es aber super funktioniert...

#Zensus 2011 - Nothing is foolproof

Hier kommt also die nächste Idee, um den Zensus 2011 zu sabotieren: Prüft alle Fragen, ob man sie bei strenger Auslegung nicht doch anders verstehen kann, als sie gedacht sind.

Die Fragen kann man sich übrigens hier schon einmal vorab ansehen, um sich schon einmal Gedanken machen zu können.

Schauen wir uns also zum Beispiel Frage 23 an:

Waren Sie in der Woche vom 9. bis 15. Mai 2011 Schüler/-in einer allgemeinbildenden Schule?

Auf den ersten Blick sieht das sehr eindeutig aus. Aber auf den zweiten sieht man, dass nicht explizit nach einer staatlich anerkannten Schule gefragt wird. Du besuchst einen "Allgemeinwissen"-Kurs an der Volkshochschule? Klingt nach einer allgemeinbildenten Schule, oder? Du Dir hast soeben eine Schule ausgedacht gegründet? Ja, wenn sie allgemeinbildend ist, warum sollte also "Furunkels Schule der Physik, Metaphysik sowie aller Geheimnisse des Universums" nicht allgemeinbildend sein?

Welche Klassenbezeichnungen (Frage 25) dieses Schule benutzt, ist ihr dann selbst überlassen.

Wenn nackter Sport auf dem Lehrplan steht, wüsste ich auch nicht, was gegen das Ankreuzen von "Gymnasium" als Schulart sprechen sollte.

Die gesamte Idee ist, die Fragen so zu beantworten, dass die Ergebnisse möglichst stark verfälscht werden, aber eben so, dass ihr immer rechtfertigen könnt, warum ihr das so angekreuzt habt, damit es im Zweifel sehr schwer wird, euch ein Bußgeld oder ähnliches aufzubrummen. Ein Restrisiko wird immer bleiben, denn ihr müsst euch eins klar machen: die letzte Entscheidung darüber, ob ihr ein Bußgeld bezahlen müsst, trifft derselbe Staat, der eure Privatsphäre und damit letztlich eure Menschenwürde mit dem Zensus mit Füßen tritt...

Zensus 2011 - zuviel um von Menschen gelesen zu werden

Heute die erste Idee im Rahmen meiner "was tun gegen den Zensus"-Reihe. Ca. 10% aller Einwohner müssen die Haushaltbefragung über sich ergehen lassen. Das sind, grob geschätzt, 8 Millionen Fragebögen. So etwas kann man nur maschinell verarbeiten, ausser das statistische Bundesamt sorgt im Rahmen der Volkszählung für Vollbeschäftigung...

§11 (1) BStatG sagt:

Sind Erhebungsvordrucke durch den zu Befragenden auszufüllen, so sind die Antworten auf den Erhebungsvordrucken in der vorgegebenen Form zu erteilen.

Bei den Vorgaben auf den Befragungsbögen haben die Statistiker aber vergessen vorzugeben, dass pro Kästchen nur ein Buchstabe oder eine Ziffer eingetragen werden soll. Aus meiner Sicht spricht also nichts dagegen, die Einteilung in Kästchen zu ignorieren und sehr gequetscht zu schreiben, um die maschinelle Lesbarkeit zu reduzieren. Druckbuchstaben wurde zwar vorgegeben, da aber sogar das Beispiel wild Gross- und Kleinbuchstaben mischt (Siehe das ß, das nunmal ein Kleinbuchstabe ist), sehe ich keinen Grund, nicht auch kreativ zwischen grossen und kleinen Buchstaben zu wechseln.

Ich bin mir nicht ganz sicher, aber so wie ich die Vorgabe auf dem Zettel verstehe, muss bei Vorname/-n "HEINZ-JÖRG" und bei Nachname "GROßMAYER" eintragen werden. Nach oben genanntem Paragrafen scheine ich sogar dazu verpflichtet zu sein. Ich habe zwar keine Ahnung, was das bringen soll, aber bitte... Vielleicht wäre es ganz nützlich, wenn juristisch bewanderte Leser dazu etwas sagen könnten...

Edit: um die maschinelle Lesbarkeit zu erschweren, wäre es offensichtlich nützlich, die Barcodes zu entfernen oder zu beschädigen. Wer das vorsätzlich tut, macht sich aber einer Sachbeschädigung schuldig und damit strafbar, so dass ich von vorsätzlichen Beschädigungen abraten muss.

Zensus 2011 - mich hat's erwischt...

Am Wochenende habe ich den Brief gesehen, der mir mitteilt, dass ich zu den Opfern der Haushaltsbefragung zählen werde.... das heisst konkret, dass ich dem statistischen Bundesamt sagen muss, womit ich mein Geld verdiene, was ich die meiste Zeit so mache, wo ich das mache, etc.Kritikpunkte an der Volkszählung gibt es zuhauf, und für mich persönlich noch einen wichtigen weiteren Grund: ich lasse mich ungern zu etwas zwingen. Wenn der Zensus in der jetzigen Form sinnvoll und angemessen wäre, dann würde ich mich mit guten Argumenten sicher überzeugen lassen, da auch mitzumachen. Aber ich will, dass "die da oben" endlich begreifen, dass eine Gemeinschaft nicht nur mit Zwang funktioniert - ja sogar: mit weniger Zwang besser funktioniert...

Dazu suche ich jetzt Ideen und Anregungen, was ich gegen die Volkszählung tun kann. Bitte achtet aber darauf, nur legale Vorschläge zu veröffentlichen - der Obrigkeitsstaat ist bei einer Anstiftung zu einer Ordnungswidrigkeit schnell mit dem Knüppel zur Stelle....

Einige Ideen, wie man den Statistikern ihre Arbeit in diesem Fall so schwer wie möglich machen kann, habe ich schon, die ich hier in den nächsten Tagen veröffentlichen will...

sshfs und die Synology Diskstation

Die Diskstations von Synology sind nicht umsonst sehr beliebt bei allen, die ein bezahlbares und flexibles NAS suchen. Das darauf laufende Linux macht die Kästen gut wartbar und auch erweiterbar.

Meine Diskstation ist von aussen für HTTP und für SSH erreichbar.

Leider ist aber der Dateibrowser, den die Diskstation-Webseite anbietet nur ein Notbehelf - es mag angehen, damit zwei oder drei Dateien hoch- oder runterzuladen; ernsthaft arbeiten will man so aber nicht. Natürlich bietet die Diskstation NFS und Konsorten, aber über das Internet wollte ich das doch nicht haben. Die naheliegende Lösung, um das Filesystem unter Linux zu mounten ist eigentlich sshfs - damit kann man die Filesysteme, von per ssh erreichbaren Rechnern lokal einbinden. Normalerweise macht das auch keine Probleme, aber bei der Diskstation geht das im Auslieferungszustand nicht. Leider ist die Fehlermeldung, die man von sshfs bekommt wenig hilfreich: es wird nur gesagt, dass die Gegenseite die Verbindung beendet hätte. Nach etwas suchen, bin ich dann auf das eigentliche Problem gestossen: sshfs benutzt das sftp-Subsystem des ssh Daemons, und das ist beim Synology-Linux nicht aktiv.

Wer ipkg als Paketverwaltung laufen hat, der kann das aber schnell in Ordnung bringen:

ipkg install openssh-sftp-server

(Natürlich als root) installiert den sftp-Server und schon zickt sshfs nicht mehr rum. Dann kann man seine Diskstation so einbinden:

sshfs user@diskstation_ip:/volume1 diskstation

bindet die erste Festplatte der Diskstation lokal in das Verzeichnis diskstation ein. Damit hat man eine verschlüsselte Verbindung, ohne weitere Löcher in die Firewall bohren zu müssen. Natürlich ist die hier beschriebene Lösung nur sinnvoll, wenn man über das Internet auf das NAS zugreifen will; lokal würde man sicher andere Protokolle, wie z.B. NFS wählen.

Viel Spass!

Vollmond

Vollmond by mydalon
Vollmond a photo by mydalon on Flickr.

Heute gibt es eine sehr seltene Konstellation zu sehen: Den Vollmond fast genau im Perigäum (dem erdnächsten Punkt der Umlaufbahn) - dadurch erscheint der Mond besonders groß - so groß wie seit circa 18 Jahren nicht mehr.
Es lohnt sich heute wirklich mal raus zu gehen, wenn man nicht nur Wolken über sich hat. Hier in München ist die Wolkendecke auch einmal kurz aufgerissen, das Ergebnis seht ihr hier.

Übrigens: wer den Mond fotografieren will, braucht keine lange Belichtungszeit: dieses Bild wurde mit 1/180s bei ISO 100 und Blende 5,6 aufgenommen. Aber obwohl der Mond heute riesig ist und ich mit 480mm effektiver Brennweite fotografiert habe, musste ich das Bild trotzdem stark beschneiden.

Atomforum vs. @Atomforum_eV

Auf Twitter gibt es mal wieder was Neues zu entdecken. Dort gibt es einen Nutzer, @Atomforum_eV, der mit satirischen Äußerungen den Unwillen des "echten" Atomforums auf sich gezogen hat.Angeblich strebt das Atomforum "mindestens" die Löschung des Accounts an.

Bis dahin kann ich jedem nur empfehlen: Folgt @Atomforum_eV!

Die Nachbeben von Japan erreichen Deutschland.

Nach den Ereignissen in Japan hat die Bundesregierung über Nacht entschieden: die Laufzeitverlängerung wird ausgesetzt. Natürlich nicht endgültig, sondern für drei Monate - dann sind die anstehenden Landtagswahlen vorbei und die Regierung kann sich dann wieder ungestört der Atomlobby widmen. Für ein oder zwei der ältesten Atomkraftwerke wird das vorraussichtlich das endgültige Aus bedeuten, aber ansonsten ist unklar, wie es weitergehen soll. Da tut die Regierung doch endlich etwas, und schnell reagiert hat sie auch, oder? Nein. Erstens kann die Regierung gar nichts tun: die Laufzeitverlängerung ist seit 1. Januar in Kraft. An dieses Gesetz ist auch die Bundesregierung gebunden. Die Kraftwerke werden also nur abgeschaltet, wenn auch die Atomkonzerne mitspielen. Warum aber sollten die das tun? Ganz einfach: die CDU/CSU/FDP-Regierung hat gerade erst die Laufzeitverlängerung beschlossen. Diese Regierung ist der Atomlobby sehr recht. Verlorene Landtagswahlen würden dem verlängerten Arm von E.ON, RWE & Co in Berlin nur das Regieren schwer machen. Da kann man auch mal einen alten, schrottreifen Meiler opfern, wenn das der Regierung hilft...

Zweitens ist die Massnahme vollkommen absurd. Seit dem Erdbeben und dem nachfolgenden Tsunami in Japan hat sich nichts an der Sicherheit deutscher Atomkraftwerke geändert. Die Wahrscheinlichkeit eines Tsunamis in Niederbayern ist nicht gestiegen, die Erdkruste ist nicht plötzlich instabiler geworden und auch die Bedrohungslage durch Terroristen hat sich nicht geändert. Entweder waren die Atomkraftwerke in Deutschland vor einer Woche sicher, dann sind sie es auch heute noch. Oder sie waren auch letzte Woche unsicher (wofür einiges spricht), dann sind sie weiterhin unsicher, aber da das die Regierung ja nicht davon abgehalten hat, trotzdem die Laufzeiten der AKW zu verlängern kann es nur eine Erklärung für den plötzlichen Richtungswechsel geben: Wahlkampftaktik.

Schliesslich hat, wie im Juli 2009 bekannt wurde, die Regierung Merkel schon im Jahr 2006 und 2007 zugegeben, dass die älteren Reaktoren wie Biblis und Krümmel nicht dem aktuellen "Stand der Technik" entsprechen und „nicht zu den weltweit hochmodernsten und sichersten Atomkraftwerken“ gehören. Es ist also keine Neuigkeit, dass hier Reaktoren stehen, die eben nicht das höchstmögliche Maß an Sicherheit bieten. Dass das der Regierung bisher egal war, zeigt, dass die Sicherheit und auch der Wählerwille, der seit langer Zeit den Ausstieg will, erst an zweiter Stelle stehen. An erster Stelle stehen weiterhin die guten Beziehungen zu den Energiekonzernen. Das wird sich auch durch das Moratorium nicht ändern.

Es werden also voraussichtlich einige Reaktoren in Deutschland von Netz gehen. Die immer wieder beschworene Versorgungslücke findet aber augenscheinlich nicht statt. Vergangenen Herbst war es unmöglich so schnell aus der Atomenergie auszusteigen, heute erklärt BDI-Chef Hans-Peter Keitel in der FAZ: "Es sollen sieben Kernkraftwerke vorübergehend abgeschaltet werden. Das ist für die Stromversorgung verkraftbar.". Schon wieder so eine altbekannte Lüge, die sich plötzlich in Nichts auflöst, wenn Unbill durch die Wähler droht.

Natürlich: zu begrüßen bleibt, dass wir nach diesem "Moratorium" weniger Kernreaktoren haben werden als vorher. Leider passiert das aus den falschen Gründen. Ich halte es durchaus für möglich, Kernkraftwerke zu bauen, die sicher genug sind, um ein tolerables Maß an Restrisko zu bergen. So einen Reaktor betreibt man drei, vier Jahrzehnte, dann wird der wieder abgebaut und nach spätetens 80 Jahren ist der Spuk vorbei. Das sind Zeiträume die einigermassen überschaubar sind. Die können wir technisch unter Kontrolle halten. Dazu muss man natürlich immer diskutieren, welches Restrisiko bestehen bleiben darf. Auch wenn Angela Merkel jetzt ganz überrascht tut: es war allen klar, dass es 100% Sicherheit nicht geben kann. Weder in Japan noch sonstwo. Da das aber für das gesamte Leben gilt, werden wir wohl oder übel Risiken tragen müssen.

Die viel schwierigere Frage ist aber die nach der Endlagerung des entstehenden Atommülls. Der muß über Jahrtausende sicher verwahrt werden. Das sind Zeiträume, die vielleicht für Archäologen oder Paläontologen kurz erscheinen, aber diese Zeiträume können wir nicht überblicken und planen. Bisher stellen wir unseren Atommüll in eine Blechhalle in Gorleben und hoffen darauf, dass irgendwann einmal irgendjemand die Technik entwickelt, den Müll so umzuladen, dass er in den Salzstock gebracht werden kann - wenn der Salzstock sich überhaupt als Endlager eignet. Das ist der eigentliche Skandal und der wirkliche Grund, warum Atomenergie eine verantwortungslose Form der Stromerzeugung ist.

Makrofoto: Wespe

Wespe by mydalon
Wespe a photo by mydalon on Flickr.

Ich bin immer wieder begeistert von den Möglichkeiten, die mir mein Retroadapter bietet!
Am Wochenende war ich mit meinen Kindern auf dem Spielplatz und habe eine Wespe entdeckt, die sich als Fotomodell anbot. Es wird Zeit, dass der Frühling kommt und mir mehr Krabbeltiere vor die Linse geraten!

Zeitraffer: Blick aus meinem Fenster

Seit ich meine neue Kamera habe, spiele ich damit natürlich auch herum. Toll ist es einen kleinen Arduino zum Auslösen der Kamera zu verwenden.Gestern habe ich, als ich im Büro geschuftet habe, auch meine Kamera schuften lassen. Bis 15:48 hat sie alle 30 Sekunden ein Foto des Ausblicks aus meinem Fenster geschossen - dann war der Akku leer. Typisches Nachmittagstief eben.

Ich habe das Ganze dann mit mencoder so zu einem Video umgewandelt: mencoder 'mf://*.JPG' -mf w=800:h=533:fps=24:type=jpg -ovc lavc -lavcopts vcodec=mpeg4:vpass=1:vbitrate=2160000:mbd=2:keyint=132:v4mv:vqmin=3: vlelim=-4:vcelim=7:lumi_mask=0.07:dark_mask=0.10:naq:vqcomp=0.7: vqblur=0.2:mpeg_quant -o Wolken.avi (alles in einer Zeile)

Das Ergebnis seht ihr hier:

Was ich daraus gelernt habe:

  • Der Sucher der Canon EOS 1000d bildet nicht das gesamte Bild ab - der Fensterrahmen rechts oben sollte nicht mit auf's Bild und war es im Sucher auch nicht - also: etwas Abstand halten.
  • Ich habe keine Ahnung, wie mencoder funktioniert - da muss ich mich noch einlesen, für meinen Geschmack sind das zu viele Kompressionsartefakte - hat jemand Tipps für mich?
  • Automatische Belichtung führt dazu, dass die Lichtstimmungen immer nivelliert werden, was bei einem Zeitrafferfilm nicht optimal ist. Das nächste Mal werd ich das mit festen Blenden/Belichtungszeit/ISO-Werten versuchen.
  • Vor der Verarbeitung habe ich alle Bilder klein gerechnet - für das nächste Projekt werde ich gleich kleinere Bilder aufnehmen - vielleicht hält dann auch der Akku länger, obwohl ich mich bei 599 Frames nicht beschweren will.
  • Ich habe natürlich ein Stativ benutzt, aber aus irgendeinem Grund wackelt teilweise das Haus - dem muss ich nachgehen. Entweder tanzt einer meiner Mitbewohner Polka wenn ich nicht da bin, oder es spukt bei mir ;-)

Trotzdem finde ich das Ergebnis überraschend beeindruckend.

UPDATE:

Ich habe nochmal mit dem Encoding rumgespielt. Jetzt habe ich das Video so kodiert:

ffmpeg -y -r 25 -b 5000kb -i %05d.jpg output.mp4

Und das Ergebnis sieht deutlich besser aus:

Endlich eine Spiegelreflex!

Es war einmal vor langer Zeit, da hatte ich eine Spiegelreflexkamera. Eine sehr manuelle. Keine Blendenautomatik, kein Autofokus nicht einmal einen automatischen Filmtransport gab es. Aber ich habe damit fotografiert und es hat mir auch viel Spass gemacht. Eine Zeitlang habe ich sogar meine Bilder in der Dunkelkammer selbst entwickelt.

Aber, wie ich nun einmal bin, musste irgendwann doch eine digitale Knipse her. Und nach mittlerweile drei digitalen Kompaktkameras hat sich bei mir mehr und mehr eine gewisse Unzufriedenheit eingestellt, weil diese Kameras einem kaum kreativen Spielraum lassen. Ich wollte also eine digitale Spiegelreflexkamera. Letzte Woche konnte ich dann einem äußerst günstigen Angebot bei Saturn nicht widerstehen und ich bin stolzer Besitzer einer Canon EOS 1000d geworden. Was soll ich sagen? Ein Unterschied wie Tag und Nacht! Schon bei einem wilden Herumgeknipse ohne jede Überlegung wird sofort deutlich, dass die Bildqualität umwerfend ist - und endlich kann ich wieder mit Blende und Belichtung spielen! Ich habe jedenfalls wieder Spass am Fotografieren! In die Dunkelkammer werde ich mich zwar erstmal nicht wieder stellen, das kann Gimp besser, aber vielleicht mal den ein oder anderen Edeldruck? Mal sehen.

Schon früher hat mich Makrofotografie sehr interessiert. Deshalb nenne ich auch einen Retroadapter mein Eigen. Hier schonmal ein paar, wie ich finde, ganz nette Bilder...

[pe2-gallery album="aHR0cDovL3BpY2FzYXdlYi5nb29nbGUuY29tL2RhdGEvZmVlZC9iYXNlL3VzZXIvbXlkYWxvbi9hbGJ1bWlkLzU1NzQ3NTMwNDg1MzU3Mjg0MTc/YWx0PXJzcyZhbXA7aGw9ZW5fVVMma2luZD1waG90bw=="]

Keine Android-Version für die Parrot AR.Drone

EDIT vom 24.11.2011: Mittlerweile hat Parrot offenbar eingesehen, dass Android keine Nischenplattform mehr ist. Hier gibt es die entsprechende APP im Market. Vielen Dank an Bachi für den Hinweis!

Vermutlich hat mittlerweile jeder die Werbung für die Parrot AR.Drone gesehen. Und der Quadrokopter sieht auch toll aus (und Videoübertragung auf das Handy ist ein echt cooles Feature) - eigentlich hätte ich sehr gerne eine. Aber leider gibt es die Steuersoftware bisher nur für iPhone/iPod touch/iPad.

Mit dem stetig steigenden Marktanteil von Android bietet es sich an, auch für diese Plattform eine Version der Steuersoftware zu entwickeln - sollte man meinen. Ich habe gestern jedenfalls den Support angeschrieben und nach Plänen und möglichen Veröffentlichungsterminen für eine Android-Version gefragt.

Heute hatte ich dann die Antwort:

[...]ich weiß, dass es keine Android Version für die Drone gibt, und wenn die Telefon Hersteller von Android Telefonen sich nicht dafür interessieren, wird es auch keine geben.

Aus dieser Antwort spricht schon eine gehörige Portion Selbstüberschätzung. Ich bin mal gespannt ob und wie lange Parrot diese Position beibehalten wird. Seit wann ist es Aufgabe der Handy-Hersteller, für ein Spielzeug die passende Software zu schreiben?

Wer ein Gerät, dass spezielle Software braucht, auf den Markt bringen will, der muss eben auch für die Software sorgen - mindestens für die wichtigsten Betriebssysteme. Und dass Android mittlerweile durchaus unter die "wichtigsten Betriebsysteme" fällt wird vermutlich nicht einmal mehr Steve Jobs bestreiten.

Allerdings muss man zugeben, dass sogar ein Bundle aus der Drone und einem iPod touch für einen Quadrokopter eigentlich recht günstig ist... aber leider definitiv zu teuer für meinen Wunschzettel.

Quo vadis, Wikileaks?

Im gegenwärtigen Durcheinander aus Angriffen auf Wikileaks und Gegenangriffen der Unterstützer der Seite wird meiner Meinung nach die wichtige Frage nach Wikileaks' Zukunft vernachlässigt. Klar ist, dass eine Seite wie Wikileaks nützlich und notwendig ist. Ohne die Seite wüssten wir weiterhin nicht, dass Visa und Mastercard über die US-Botschaft in Russland Einfluss auf die dortige Gesetzgebung nehmen wollten und scheinbar als kleinen Dank an die US-Regierung die Weiterleitung von Spenden an Julian Assanges Enthüllungsplattform eingestellt haben.

Wir wüssten nicht, dass Hillary Clinton an die Kreditkartendaten ausländischer Spitzenpolitiker kommen will, genausowenig wie der Druck der US-Regierung auf verbündete Staaten, wenn es um die Verfolgung - oder eben: nicht-Verfolgung von Verbrechen der CIA geht, bekannt wäre.

Wikileaks hat sehr deutlich gezeigt, dass das auch dem Grundgesetz zugrunde liegende Misstrauen dem Staat gegenüber, auch in demokratischen Systemen weiterhin notwendig und richtig ist. Wenn wir unseren Regierungen vertrauen könnten, dann bräuchten wir Wikileaks nicht - aber dann gäbe es die Seite mangels Material auch nicht.

Wir können also festhalten, dass gerade in demokratischen Staaten, die ja auf informierte Bürger angewiesen sind, um zu funktionieren, eine Möglichkeit, Missstände öffentlich zu machen, von geradezu existentieller Bedeutung ist.

Aber leider: auch Wikileaks ist nicht perfekt. Was als Projekt einer Gruppe von Idealisten begann, entwickelt sich immer mehr zu einer Organisation, die um die Person Julian Assange kreist (weshalb ich oben auch bewusst von seiner Plattform gesprochen habe). Deutlich wird dies zum Beispiel, wenn Assange auf interne Kritik so reagiert:

Ich bin Herz und Seele dieser Organisation, dessen Gründer, Philosoph, Sprecher, erster Programmierer, Organisator, Geldgeber und noch alles weitere

und weiter:

Wenn du ein Problem mit mir hast, dann verpiss dich.

Aber unabhängig von Assange, den ich nicht persönlich kenne, weshalb meine Einschätzung auch weit von der Realität entfernt sein kann, ist jede Konzentration auf eine Person aus mehreren Gründen abzulehnen.

Erstens macht eine solche Person das Projekt angreifbar. Viele Netzbürger nehmen im Moment an, dass die Vergewaltigungsvorwürfe (die in Deutschland wohl eher auf sexuelle Nötigung lauten würden) durch die CIA fingiert wurden, um Assange in die Finger bekommen zu können. Ob das so ist oder nicht, kann ich nicht beurteilen, aber offensichtlich ist: ohne eine zentrale Person an der Spitze, die teilweise schon messianische Züge trägt, wäre ein solche Komplott vollkommen sinnlos. Genausowenig, wie ein einzelner krimineller Wikipedia-Admin die Wikipedia als Ganzes diskreditieren würde, genausowenig würde eine Enthüllungsplattform Schaden nehmen, wenn sich einer der Mitarbeiter schuldig gemacht hätte.

Der zweite, gewichtigere Grund, warum zentrale Figuren vermieden werden sollten, ist prinzipieller Natur. Egal, wer diese zentrale Person ist, die schiere Existenz eines Koordinators führt dazu, dass eine einzelne Person mehr Macht hat, als sie haben sollte und birgt damit auch die Gefahr von Machtmissbrauch. Ich denke, dass man auch schon Anzeichen von Machtmissbrauch bei Assange erkennen kann.

Zum Beispiel ist Assange der Meinung, eine "Lebensversicherung" zu benötigen (was in weniger herausgehobener Stellung nicht nötig wäre) und hat deshalb eine 1,4GB  grosse, verschlüsselte Datei, die im Netz verteilt wird. Im Falle seines Ablebens wird der zugehörige Schlüssel angeblich automatisch veröffentlicht. Das Problem damit ist der Inhalt der Datei: entweder er ist von öffentlichem Interesse und es ist legitim die Informationen offenzulegen, dann verstösst es gegen die Ziele der Platform, diese Daten zurückzuhalten. Oder es ist illegitim, die Daten zu veröffentlichen, dann ist es verantwortunglos, die Veröffentlichung anzudrohen und noch verantwortungsloser, die Veröffentlichung an ein Ereignis zu koppeln, dass auch ganz ohne CIA-Mitwirkung eintreten kann. Der einzig mögliche, ethisch einwandfreie Inhalt ist Inhalt, der nicht als Druckmittel geeignet wäre - die Datei wäre also ein grosser Bluff. Dann hätte Assange seine Karten wirklich sehr gut gespielt.

Weiteres Anzeichen eines Machtmissbrauchs ist die mangelnde Transparenz, was die Verwendung von Spendengeldern angeht. Ich weiss nicht, ob Assange Gelder in vorwerfbarer Weise verwendet und will das auch gar nicht behaupten, aber jede seriöse, durch Spenden finanzierte Organisation hat einen öffentlichen Rechenschaftsbericht abzulegen, damit jeder (potentielle) Geldgeber kontrollieren kann, was mit den Spendengeldern passiert. Wenn eine Organisation keinen solchen Bericht vorlegen kann oder will, dann führt das nach meiner Erfahrung üblicherweise sehr schnell dazu, dass die Gelder nicht mehr (nur) für die ursprünglichen Zwecke eingesetzt werden.

Mein Fazit ist also, dass wir eine Plattform wie Wikileaks brauchen, auf der Informationen, die illegitimerweise geheim gehalten werden sollen, veröffentlicht werden können. Ich glaube aber auch, dass Wikileaks mit seiner starken Fixierung auf Assange nicht die richtige Plattform ist. Meine Hoffnungen liegen momentan auf Openleaks. Das ist eine (bisher nur angekündigte) Plattform, die von ehemaligen Wikileaks-Mitarbeitern gegründet wurde und die die Fehler, die bei Wikileaks gemacht wurden, vermeiden wollen. Dort sollen insbesondere auch die Personen, die Informationen leaken, die Kontrolle über die Veröffentlichung behalten, was den Quellenschutz, der in letzter Zeit bei Wikileaks gelitten hat, auch wieder auf solidere Beine stellen würde - und natürlich verhindern würde, dass eine zentrale Person zuviel Macht erhält.