Zu Weihnachten habe ich von meiner Frau das Buch “Die Kunst des Penetration Testing” bekommen – eine Rezension gibt es, sobald ich das Buch durchgearbeitet habe. Jedenfalls fing das Buch auf Seite 33(!) an. Die ersten Seiten fehlten, offenbar war beim Verlag ein Fehler passiert. Amazon hat nach Reklamation auch gleich ein anderes Exemplar geliefert. Zwar wieder – wie auch beim ersten Mal – ein Softcover, statt der versprochenen gebundenen Ausgabe, diesmal aber immerhin mit allen Seiten.
Jetzt will Amazon natürlich das erste Buch zurück – klar. Aber einen Rücksendeaufkleber sucht man in der Ersatzlieferung vergeblich. Also haben wir heute mit Amazon telefoniert. Und was wollen die? Richtig: wir sollen das Porto auslegen. Das Geld würde umgehed zurücküberwiesen werden.
Das kommt aber gar nicht in Frage: in letzter Zeit bricht Amazon jedes gegebene Versprechen. Erst schicken sie zweimal ein Softcover als Hardcover (und zum Preis der gebundenen Ausgabe), dann versprechen sie die Lieferung des EeePC pünktlich zum Erscheinungstermin, später dann aber erst zum 20.3.(!) und die CD, die ich mit dem EeePC zusammen bestellt habe und ausdrücklich um gemeinsamen Versand gebeten habe, die wird natürlich getrennt verschickt.

Ich habe der Dame an der Hotline erklärt, dass Amazon viele Möglichkeiten hat, das fehlerhafte Buch zu bekommen: sie können es sich unfrei zuschicken lassen (unfreie Sendungen werden von Amazon aber nicht angenommen), einen Rücksendeaufkleber schicken (das macht Amazon grundsätzlich nicht), das Buch abholen (wegen eines Buches beauftragen die verständlicherweise aber keine Spedition) oder uns das Porto vorab überweisen oder auch als Warengutschein zukommen lassen (das machen sie natürlich auch nicht). Alternativ könnte Amazon auch zustimmen, dass wir das defekte Buch einfach selbst entsorgen (wir würden sogar ein “Beweisfoto” für Amazon machen), aber das kommt alles nicht in Frage.
Jetzt hat mir die Frau angedroht, dass wir dann von der Payment-Abteilung hören würden, wenn wir nicht nach deren Spielregeln tanzen. Ich zittere schon vor Angst. ;-)

 

Seit Donnerstag hab ich ihn, meinen Eee PC. Und eins vorweg: das ist einer der Käufe, die ich bestimmt nicht so schnell bedauern werde. Das Gerät ist so schön klein und leicht, dass man es wirklich immer dabei haben kann und dabei erstaunlich schnell.

Aber natürlich gibt es auch Schattenseiten: So sind einige unsinnige Anwendungen installiert: Kartoffelknülch zum Beispiel, oder eine Spracherkennung, die sich scheinbar nicht konfigurieren lässt, und anscheinend nicht nur bei mir “Computer, Internet” immer als “Musik” interpretiert. Nicht benötigte Anwendungen finden sich zwar auch in allen anderen Linux-Standardinstallationen, aber bei der “Konkurrenz” kann man Anwendungen löschen und gewinnt dadurch Speicherplatz. Beim Eee allerdings kostet das Löschen Speicherplatz. Der Eee PC bietet nämlich eine Wiederherstellungsfunktion an, und deshalb werden Anwendungen nicht gelöscht, sondern nur die Veränderung zur Startkonfiguration gespeichert.

Ich habe natürlich versucht, ein anderes Linux auf dem Eee zu installieren, aber irgendwie bin ich immer am flashplayer gescheitert. Auf meinen anderen Rechnern reicht
sudo apt-get install flashplugin-nonfree
Aber beim Eee funktioniert das nicht. Ich bekomme zwar keine Fehlermeldung, aber im Firefox steht das Plugin weiterhin nicht zur Verfügung. Auch der Installer von der Adobe-Seite funktioniert nicht: bei der Frage nach dem Mozilla Installationsverzeichnis kann ich eingeben, was ich will, aber der Installer stellt die gleiche Frage kommentarlos immer wieder. Hat dieses Problem schon jemand gelöst? Ich hatte dann keine Lust mich stundenlang mit dem Flashplayer zu beschäftigen, wenn auch noch einige andere Dinge, wie eine vernünftige Batterieanzeige nicht funktionieren. Ich hab jetzt wieder Xandros drauf, und werde mich anderen Linuxen in ein paar Wochen, wenn ich mehr Zeit habe, wieder zuwenden.

Um das Original-Linux wieder aufzuspielen muss man einen USB-Flash Stick benutzen, den man mit einem Tool von der mitgelieferten DVD bespielt. Bei mir hat das zwar funktioniert, aber nach dem Reboot hing der Kleine – er wollte die zweite Partition testen, aber die hat nicht existiert. Ich habe also die alte Partitionstabelle wieder hergestellt. Sie sieht so aus:

Disk /dev/sda: 4001 MB, 4001292288 bytes
255 heads, 63 sectors/track, 486 cylinders
Units = cylinders of 16065 * 512 = 8225280 bytes
   Device Boot      Start         End      Blocks   Id  System
/dev/sda1               1         300     2409718+  83  Linux
/dev/sda2             301         484     1477980   83  Linux
/dev/sda3             485         485        8032+   c  W95 FAT32 (LBA)
/dev/sda4             486         486        8032+  ef  EFI (FAT-12/16/32)

Also: zuerst mit dem Xandros-Stick den Eee flashen. Dann mit einem anderen Linux die Partitionstabelle (mit fdisk) schreiben, die zweite Partition als ext2 formatieren, z.B.so:

mkfs.ext2 /dev/sda2

Anschliessend den Eee neu booten. Beim ersten mal hängt er nach dem Filesystemcheck wieder. Mit <Return> neu starten, et voilà : der Eee ist wieder wie neu.

Eine tolle Erweiterung für den Firefox hab ich auch gefunden: autohide. Damit kann man die Werkzeugleisten und die Statusleiste mit F11 ausblenden. Wenn man den oberen bzw. untern Bildschirmrand mit der Maus berührt erscheinen sie wieder. Das ist ganz hilfreich um wertvolle Bildschirmfläche nicht zu verschenken.

Sehr schön ist auch das eeeuser-Wiki. Gerade als Einsteiger findet man dort jede Menge nützlicher HowTos.

Jan 202008
 

Seit Jahren stehen ja die Lego Mindstorms-Kästen auf meinen Wunschzetteln. Leider fand sich bisher niemand, der mir diesen Wunsch erfüllt hätte. Auf dem vergangenen 24C3 hat die C-Base-Crew ein Lego Sumo Turnier veranstaltet.
Das Ziel bei diesem Wettbewerb war es, die gegnerischen Roboter vom Tisch zu stossen und nicht selbst vom Tisch zu fallen.

Gerade noch rechtzeitig habe ich das mitbekommen und war dann natürlich nicht mehr zu bremsen. In den verbliebenen Stunden habe ich mit Struppis Hilfe einen simplen Roboter mit noch simplerer Programmierung zusammengebastelt. Natürlich hatten wir auch eine “Geheimwaffe”, eine Auffahrrampe aus drehbar gelagerten Stangen. Diese sollte helfen, die Bodenhaftung der Gegner zu reduzieren, um sie dann leichter vom Tisch schieben zu können.

Dann ging es also los. Kaum hatten wir die Batterien gewechselt, schon war die Firmware des RCX (So heisst der Lego-Controller) wieder gelöscht. Also nochmal programmieren, während schon die ersten Wettkämpfe liefen. Und dann der grosse Moment. Das erste Duell. Würde die Geheimwaffe funktionieren? Haben wir genug Bodenhaftung um den riesigen Gegner wegzuschieben?

Und los! Dumbo 2.0, so hatten wir den Roboter aufgrund seiner eher dummen Programmierung getauft, fährt geradeaus, am Gegner vorbei und über die Tischkante hinweg, um dann am Boden zu zerschellen. Normalerweise werden die Roboter aufgefangen, aber mit diesem Absturz hatte niemand gerechnet. Nachdem wir die Teile wieder eingesammelt hatten, ging es an die fieberhafte Fehlersuche. Die Firmware und unser Programm war schon wieder weg. Wie sich herausstellte, verlor der RCX mit den Wettkampfbatterien schon bei kleineren Erschütterung seine Programmierung und fuhr dann stur geradeaus. Glücklicherweise konnten uns die Veranstalter einen anderen RCX zu Verfügung stellen. Also schnell umgebaut, neu programmiert und der nächste Wettkampf. Diesmal standen genug Helfer bereit, für den Fall, das wir es immer noch nicht geschafft hätten, den Roboter zu programmieren. Aber diesmal lief alles wie am Schnürchen. Und auch die Geheimwaffe funktionierte genau, wie wir es gehofft hatten. Alle weiteren Wettkämpfe, einschließlich des Finales, gewann Dumbo 2.0 dann. Das Grinsen auf meinem Gesicht wurde immer breiter, und als ich dann sogar den Roboter, der aus C-Base eigenen Teilen zusammengebaut war als Preis bekam, war der Tag gerettet ;-)

Vielen Dank nochmal an das C-Base-Team, das mir diese Riesenfreude bereitet hat!

Bilder gibt es übrigens bei Flickr.

 

Dieses Jahr habe ich es endlich geschafft: ich war auf dem 24C3, dem Kongress des CCC. Neben vielen guten Vorträgen, kurzen Nächten und viel Club Mate gab es auch ein paar Bausätze. Unter anderem eine stärkere Version von TV-B-Gone. Den musste ich natürlich haben ;-) Also schnell die simple Schaltung zusammengelötet und los geht’s. Direkt gegenüber war der weltweit größte MediaMarkt. Das perfekte Versuchskaninchen. Und siehe da: TV-B-Gone funktioniert tadellos. Es ist schon lustig, wenn plötzlich ganze Regale mit Fernsehern ausgehen. Und es gehen wirklich fast alle Fernseher aus. Die fehlenden werden bestimmt mit dem nächsten Firmwareupdate auch erfasst werden.

Damit wäre für mich der MediaMarkt abgehakt gewesen. Aber plötzlich tauchte ein Schild im Kongressgebäude auf, welches Nutzern von TV-B-Gone Hausverbot androhten – prompt gefolgt von einer Strichliste im Eingangsbereich des bcc. Wenn die Krieg wollen… könen sie haben… Naja, ich bin dann nochmal in den MediaMarkt gegangen und habe alle Fernseher, die ich gefunden habe abgeschaltet. Nach 12 Minuten(!) kam dann ein Mitarbeiter auf mich zu und ich habe tatsächlich Hausverbot für ein Jahr in allen Media- und Saturnmärkten bekommen. Aber nicht einmal zu diesem Zeitpunkt haben die Leute verstanden, womit wir die Fernseher ausschalten. Ich trug zu diesem Zeitpunkt ein Sputnik-Tag, das recht auffällig vor sich her blinkte. Der Ladendetektiv, oder wer auch immer das war, forderte mich deshalb auch auf, das Tag abzudecken ;-) Auf dem Weg zum Büro konnte ich so mit dem TV-B-Gone in der Hand noch fünf weitere Fernseher ausschalten.

Auch sonst scheint technischer Sachverstand im MediaMarkt rar gesät zu sein: die verwendeten WLAN-Router nutzten Gerüchten zufolge das Standartpasswort – dieses Problem wurde mittlerweile von freiwilligen Helfern “gelöst”.

Am meisten schien den Detektiv zu örgern, dass ich mich mit den Worten “Dann sehen wir uns ja zum nächsten Kongress” verabschiedet habe. Ich freu mich schon drauf ;-)

P.S. Wen’s interessiert: Ich war Nummer 13 auf der Strichliste. Den Endstand kenne ich leider nicht.

 

Fast täglich berichten die Medien über neue Entdeckungen und Meilensteine in der Erforschung dieses oder jenes Spezialgebietes. Da bekommt man manchmal das Gefühl, dass die Welt bis auf kleine Randgebiete gut erforscht wäre und es kaum noch etwas für die Wissenschaft zu tun gäbe.

Dieses Gefühl zu beseitigen ist “Lexikon des Unwissens. Worauf es bisher keine Antwort gibt” angetreten. Kathrin Passig und Aleks Scholz haben dazu viele Themen zusammengetragen, die noch nicht aufgeklärt sind – und zwar nicht Randbereiche obskurer Wissensgebiete, sondern hauptsächlich Dinge bei denen jeder annimmt, dass sie keine Geheimnisse mehr bergen.

Wer hätte zum Beispiel gedacht, dass das Geheimnis der weiblichen Ejakulation noch immer nicht geklärt ist? Dass die Katzen zwar schnurren können, aber keiner weiß wie? Oder dass wir zwar immer gute Ratschläge bekommen, wie wir eine Erkältung vermeiden können, dass die Wirksamkeit all dieser Ratschläge aber höchst zweifelhaft ist?

Die Autoren vermitteln einem in einem lockeren, gut zu lesenden Stil, der nur manchmal ins gezwungen Originelle abgleitet, eben nicht: Wissen, sondern: Fragen.
Antworten sucht man in diesem Buch vergeblich, aber man hat nach der Lektüre sicher Gesprächthemen für die nächste Party und, viel wichtiger: man merkt, dass man sich die Hybris, zu glauben dies wäre das Zeitalter des Wissens, nicht leisten kann.

Man könnte glauben, dass ein Buch, dass vom Unwissen und von gescheiterten Erklärungsversuchen handelt pessimitisch sei, oder pessimistisch stimmen könnte. Zumindest bei mir ist das nicht der Fall: im Gegenteil macht dieses Buch Lust darauf, die Geheimnisse, die nicht in den Weiten des Weltalls, sondern vor der eigenen Nase liegen zu suchen und sich mit ihnen zu beschäftigen. Und möglicherweise – wer weiß? – vielleicht sogar zu lösen.

Sehr schön fand ich auch, dass die Autoren trotz des lockeren Stils auch komplizierte Sachverhalte, wie das P-NP-Problem verständlich erklären ohne sich dabei dazu verleiten zu lassen, das Problem zu sehr zu vereinfachen.

Ich habe das Buch zum Geburtstag bekommen und es sehr genossen. Nochmals vielen Dank!

 

Ich seh mir gerne mal bei Youtube Videos von Leuten an, die mit einfachen Mitteln coole Sachen (z.B. Lautsprecher aus alten Festplatten) zustande bringen.

Und heute bin ich auf Household Hackers gestossen. Zuerst habe ich die Anleitung gesehen, bei der aus einem Papierteller, etwas Alufolie, Klebestreifen und einer Münze ein Lautsprecher gebaut wird. Und schon da habe ich mich gefragt, wie das gehen soll. Zum einen wird in der Anleitung nur eine Leitung angeschlossen. Und zum anderen war nicht wirklich klar, woher die Bewegung kommen soll. Ich habe kurz überlegt, ob das ganze über Wärme am Kontaktwiderstand (die Münze liegt auf der Alufolie) funktionieren soll, aber das dürfte nur für wirklich niedrige Frequenzen funktionieren (und nur bei richtig hohen Strömen) – nicht umsonst setzt man das Hitzdrahtamperemeter für Wechselstrom ein. Aber spätestens als ich auch noch die anderen Anleitungen angesehen habe, z.B. das iPod-Ladegerät aus einer Zwiebel und irgend einem Sportgetränk, oder das Handy-Abhörgerät aus einer Schüssel, einer Fernbedienung (mit einer kurzgeschlossenen Batterie) und einem Mikrofon, war klar, dass diese Anleitungen nicht funktionieren können.
Den Kommentaren zufolge gibt es leider Leute, die die beschriebenen Bauanleitungen nachvollziehen. Ich würde zwar kein Geld für Versuche investieren, bei denen ich nicht einmal ansatzweise verstanden habe, wie sie funktionieren sollen (und das wird an keiner Stelle erwähnt), aber was ich wirklich nicht verstehe ist, warum jemand die Energie aufwendet, solche Videos zu produzieren, eine Homepage einzurichten und sogar gelegentlich “Support” zu leisten… ich habe auf der Seite jedenfalls keinen Hinweis gefunden, dass es sich um Scherze handelt – und auch die Videos sind zwar etwas trashig, aber humorfrei gedreht. Ich verstehe also irgendwie den Witz an der Sache nicht….

 

Offenbar habe ich doch einmal ein Thema gewählt, dass mehr als nur mich interessiert. Die Kommentare scheinen mir aber kommentierungswürdig zu sein…

gpkvt, Du hast natürlich Recht, dass man die Protokollierung auch spezifisch für einen Angreifer einschalten kann. Aber wie Du schon schreibst: Du musst erst den Angriff erkennen können und auch wissen woher der kommt. Ich beziehe mich bei meinem Plädoyer für IPs in Logfiles auch auf Apachelogs.

Kennst Du “ab”? Dass ist ein Tool namens “Apache Benchmark” damit kannst Du in einem Einzeiler zigtausend Seitenaufrufe mit z.B. 50 parallelen Requests erzeugen. Das treibt die meisten datenbankgestützten Seiten in den Wahnsinn. Und ohne IPs wirst Du nicht einmal bemerken, dass gerade ein Angriff stattfindet, sondern Dich über viele Seitenzugriffe freuen. Und selbst wenn Du es bemerkst: solange Du nicht weisst, woher der Angriff kommt, kannst Du auch nicht gezielt die “böse” IP beobachten, sondern musst alle Nutzer erstmal mit IP loggen, um die angreifende IP ausfindig zu machen – und damit Dein Versprechen gegenüber den ganzen unschuldigen Nutzern brechen, die sich darauf verlassen, dass Du nichts loggst. Und zumindest ich persönlich fände das schlimmer, als von vornherein zu sagen: wir loggen und schmeissen die Daten weg, sobald klar ist, dass wir sie nicht mehr brauchen.

Ausserdem kannst Du Angriffe damit nur beobachten, wenn Du vorher oder während des Angriffs davon erfährst und Dir die IP-Adresse des Angreifers bekannt ist. Nachträglich zu analysieren, wer wann was gemacht hat geht dann nicht mehr.
Das ist in etwa so, als wenn Du in Deiner Wohnung alle Oberflächen so versiegelst, dass keine Fingerabdrücke haften bleiben (damit niemand feststellen kann, wer Deine Gäste waren), und das aber auch gleich allen potentiellen Einbrechern groß auf der Eingangstür präsentierst.
Und: ich bin nicht so paranoid jede Tür sofort hinter mir zuschliessen zu müssen oder überall Alarmanlagen haben zu wollen, aber das Internet ist nunmal bevölkert von böswilligen Menschen und Programmen. Angriffe sind die Regel, nicht die Ausnahme.

Außerdem halte ich es für illusorisch zu glauben, dass staatliche Stellen durch fehlende Logs nicht erfahren würden, wer wann was getan hat. Dazu soll ja die unsägliche Vorratsdatenspeicherung dienen, dann kann man nämlich beim Provider nachfragen, wer denn am 17.3.2008 um 12:34:47 Dein Blog aufgerufen hat. Dagegen hilft dann nur TOR (solange die Stasi 2.0 nicht alle Knoten im TOR-Netz kontrolliert, bietet das zumindest gewisse Sicherheiten) und HTTPS, damit nicht jeder mitlesen kann.

Bei shared Hostern solltest Du Dich (glaub mir, ich weiss, wovon ich rede) nicht darauf verlassen, dass keine Logfiles mit IP-Adressen existieren – im Gegenteil.

Deine Idee mit den abgestuften Selbstverpflichtungen finde ich gut, dann kann jeder die Sicherheits/Loggingstufe wählen, die er für passend hält und das auch kommunizieren.
Ich denke sowieso, dass die Kommunikation der Datenschutzstandards viel helfen würde.
Ich würde aber keine Bronze, Silber, Gold wählen, weil das ein besser und schlechter impliziert und das ist meiner Meinung nach nicht gegeben. Da muss jeder selbst abwägen. Eine private, statische Seite kann sich sowohl den Verzicht auf Logs leichter erlauben, weil sie schwerer angreifbar ist, ausserdem wären auch die Folgen eines Ausfalles nicht so dramatisch. Wenn jemand aber z.B. einen grossen Maildienst betreiben will, dann ist ein Ausfall auch mit massiven Finanziellen Einbussen verbunden – und die kann und will nicht jeder riskieren.

Eine Zertifizierung nach dem CC-Schema wäre da sicher besser: Dann können auch Leute wie z.b. ich eine Plakette auf die Seite kleben, die sagt: wir haben uns Gedanken gemacht und gehen folgendermassen mit der Problematik um: …

Und die Nutzer könnten dann abwägen, ob sie auf dieser Seite mehr tun wollen, als die Startseite zu lesen. Der Vorteil der Zertifizierung nach einem bestimmten Schema wäre die erhöhte Transparenz für die Nutzer, die dann nicht mehr stundenlang das Kleingedruckte lesen müssten, sondern sofort erkennen können, was Sache ist, und die Öffentlichkeitsarbeit für Datensparsamkeit.

 

Die Initiative “Wir speichern nicht” bietet ein Prüfsiegel für Webseiten an, die keine personenbeziehbaren Daten speichern. Solche Gütesiegel sind natürlich sehr werbewirksam. Und die Initiative hat erreicht, dass viel darüber diskutiert wird. Daran ist sicher auch ein Urteil des LG Berlin schuld, dass dem Bund verbot, IP-Adressen zu protokollieren.

Die Argumente für Anonymität sind allseits bekannt, und obwohl man sie eigentlich nicht oft genug wiederholen kann, soll es darum in diesem Artikel nicht gehen. Vielmehr stelle ich die Forderungen der Initiative in Frage.

Ich habe in meinem Leben schon den ein oder anderen Server betreut. Und dabei habe ich festgestellt, dass Logfiles einfach unabdingbar sind, wenn man interaktive Seiten hat. Schon ein einzelner Idiot kann mit einem kleinen Skript eine Datenbank-gestützte Seite erfolgreich angreifen indem er nur zigmal in der Sekunde die gleiche Frage stellt. Dann hat man erstmal das Problem, dass man weiss die Seite wird langsam, aber man weiss noch nicht warum. Das herauszufinden geht nur mit Logfiles. Und ohne IP-Adressen im Logfile erfahre ich nur, dass gerade ganz viele Anfragen kommen. Dass die alle von einem Spinner sind erfahre ich nicht, und deshalb kann auch auch nichts dagegen tun. Wer also interaktive Seiten anbieten will – und nicht jederzeit irgendwelchen Skript-Kiddies zum Opfer fallen will, der braucht IP-Adressen in den Logfiles.

Das Landgericht Berlin will seine Entscheidung nicht als Grundsatzurteil verstanden wissen, aber wenn es eins wäre oder zu einem würde, hätte das zur Folge, dass die meisten Betreiber von Webseiten auf einmal kriminalisiert würden. Das würde den Abmahnanwälten natürlich wieder viel Geld von kleinen Privatleuten bringen, aber soweit ich weiss, war das nicht Staatsziel. Ansonsten führte dies dazu, dass viele Dienste nicht aufrechterhalten werden können, weil sie werbefinanziert sind und sich plötzlich Besucherzahlen dem Werbekunden gegenüber nicht mehr nachweisen lassen.

Deshalb wäre meine Forderung: die Betreiber sollen alles loggen, was sie brauchen, um den Betrieb zu gewährleisten, aber nach spätestens 72 Stunden alle Logfiles löschen oder anonymisieren und auch keine Backups der Logfiles aufbewahren.

Neulich habe ich bei einer Diskussion darüber das Argument gehört, dass man ja nicht wissen könne, ob die Betreiber die Logfiles wirklich nach 72 Stunden löschen. Das stimmt. Aber genausowenig weiß ich, ob die Betreiber von mit Prüfsiegel versehenen Seiten wirklich nichts speichern. Wer den Anbietern nicht vertraut (und dazu gibt es bei vielen Anbietern gute Gründe), der muß Anonymisierungssoftware wie z.B. TOR verwenden. Prüfsiegel helfen da nicht weiter, sie haben lediglich die Funktion die Öffentlichkeit für das Thema zu sensibilisieren. Und – über das Thema zu diskutieren und einen allgemeinen Verhaltenskodex zu erarbeiten, das ist sinnvoll. Komplett auf IP-Protokolle zu verzichten nicht.

 

Neulich hat mich ein Bekannter auf meine “Weltschmerzseite” angesprochen. Damit meinte er diesen Blog. Das hat mich überrascht – ganz so viel Weltschmerz empfinde ich nämlich gar nicht. Ich glaube nur nicht, dass es nötig ist noch ein weiteres Blog, in dem jemand von seinem letzten Picknick im Grünen und den angebrannten Kartoffeln erzählt, zu schreiben. Ich schreibe deshalb hier von Dingen von denen ich hoffe, dass sie nicht nur mich interessieren.

Ich werde aber in Zukunft versuchen trotzdem auch persönliche Dinge aufzunehmen, die möglicherweise trotzdem von Interesse sein könnten – mal sehen, was sich da findet.

 

Nachdem der Chaos Computer Club und die niederländische Initiative Wij vertrouwen stemcomputers niet im Oktober 2006 bewiesen hatten, dass die Wahlcomputer der Firma NEDAP (die fast baugleich zu den in Deutschland eingesetzten Modellen sind) leicht und mit geringen Entdeckungsrisiko zu manipulieren sind, hat die niederländische Regierung jetzt die Konsequenzen gezogen und die Zulassung der Geräte revidiert.

Es steht zu hoffen, dass die deutsche Regierung diesem Beispiel bald folgt, und so sicherstellt, dass auch in Zukunft die Wahlen nachvollziehbar bleiben (bzw. es wieder werden).

Hier noch ein Video, das belegt, wie schnell NEDAP-Rechner zu manipulieren sind:

Solche Rechner werden auch in Deutschland in vielen Wahlkreisen eingesetzt. Damit begeben sich diese Kommunen völlig in die Hände der Firma NEDAP – die diese Macht auch zu nutzen gedenkt: Offenbar hat der Inhaber von NEDAP, Jan Groenendaal versucht, die holländische Wahlbehörde zu erpressen, NEDAP aufzukaufen. Anderenfalls werde er alle Aktivitäten einstellen, die für die Wahlen im vergangenen März nötig wären. Nach Angaben der Wahlbehörde habe man diese Drohung nicht ernst genommen – und die Wahlen haben ja auch stattgefunden. Aber der Vorfall beweist, dass einer Firma wie NEDAP nicht die Basis der Gesellschaft, nämlich freie, gleiche und geheime Wahlen anvertraut werden darf.

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