Na wer sagt's denn?

Da haben die Berufsparanoiker, allen voran das Innenministerium und das BKA, seit Wochen nichts anderes getan, als die Aggressionen unter den G8-Gegnern zu schüren. Und jetzt - Überraschung! - das: es haben tatsächlich einige randaliert. Marc Pentermann mahnt an, dass die Medien auch einmal über die friedlichen Demonstranten und - vor allem - ihre Motivation berichten sollten. Gute Gründe für Kritik am G8-Gipfel gibt es allemal. Aber brennende Autos bringen nunmal mehr Quote - deshalb musste der Staat auch sicherstellen, dass es Randale gibt. Wenn die Demonstranten nicht nur zu weit über 90% friedlich bleiben, sondern es im schlimmsten Fall gar keine Gewalt bei den Kundgebungen geben sollte, könnte ja jemand tatsächlich einmal auf die Idee kommen und über Hintergründe zum G8-Gipfel und zur Globalisierungskritik berichten.

Unter diesem Gesichtspunkt muss die ganze Randale als ein Fiasko für den Staat angesehen werden. Nicht, weil die Polizei nicht mit der Gewalt klar gekommen oder schlecht vorbereitet gewesen wäre. Sondern weil die monatelangen Versuche, die Globalisierungsgegner in die kriminelle Ecke zu drängen, erfolglos waren. Attac distanziert sich sofort und in aller Deutlichkeit von den Gewalttätern und wiedersteht der Versuchung sich mit den Autonomen zu solidarisieren. Der bayrische Innenminister Beckstein versucht zwar, durch seine Forderung, Heiner Geißler solle wegen der Gewalttaten bei Attac austreten, einen Zusammenhang zwischen Randalierern und Globalisierungskritikern herzustellen, aber es ist offensichtlich, dass er nur versucht zu retten, was an Propagandapotenzial vom G8-Gipfel noch übrig ist. Auch sein Gefasel über "moralische Mitschuld" ist offensichtlich nicht viel mehr als ein verzweifelter Versuch, die friedlichen Demonstranten doch noch in einen Topf mit den Steinewerfern zu stecken. Alle Razzien, Geruchsproben, Zensurversuche, und Spitzeleien haben nicht gereicht, die berechtigte Wut der Globalisierungsgegner in politisch nutzbare Gewalt umzuwandeln. Dafür an dieser Stelle mein Dank an die Demonstranten.